Es begann alles recht harmlos, als wir unseren Bus in der Dresdner Innenstadt (vielleicht 2 Kilometer vom vereinbarten Blockadepunkt entfernt) verlassen konnten. Wir liefen in einer geschlossenen Gruppe mit mindesten 550 Leuten Richtung Bahnhof, als vielleicht 20 Polizisten uns den Weg versperrten. Angesichts ihrer zahlenmäßigen Schwäche setzten die in voller Kampfmontour ausgestatteten „Freunde und Helfer“ sofort Schlagstöcke und Pfefferspray gegen uns Demonstranten ein. Es kam schnell Verstärkung, weshalb Übergriffe auf uns Demonstranten parallel zunahmen. Das Transparent, welches wir mit ganz vorne gehalten haben, um uns vor dem Pfefferspray zu schützen, wurde von eben jenen zerstört. Einem Polizisten passte es anscheinend nicht, dass wir ein Transparent hatten und uns dahinter stellen konnten. Er zerriß es kurzer Hand von oben und sprühte mit Pfefferspray auf uns, während er und seine Kollegen daran interessiert waren jede Fahne von uns Demonstranten (darunter auch 2 Fahnen der Linken aus Flensburg), die sie erhaschen konnten, zu zerstören. Als wir rückwärts uns einen anderen Weg bahnten, wurden wir von der Staatsgewalt eingekesselt. Wir waren nicht mehr in der Lage die Straße zu verlassen. So hielt man uns über eine Stunde fest. Es war niemanden gestattet eine Toilette aufzusuchen, geschweige denn das Gelände, für welche Gründe auch immer zu verlassen: Man war der Willkür der Polizisten unterworfen und fühlte sich rechtlos. Die Einsatzleitung am vorderen Teil sagte uns immer, wir sollten rückwärts raus gehen und die Verantwortlichen am anderen Ende, sagten immer, wir sollen uns nach vorne bewegen. So wurden wir bei eises Kälte von der Polizei festgehalten. Es folgten zahlreiche Übergriffe unserer „Freunde und Helfer“ gegen friedliche Demonstranten. Jeder, der Versucht hat das Gelände zu verlassen, wurde mit Pfefferspray angegriffen. Kollektive Ausbruchsversuche unsererseits, wurden mit Schlagstöcke beantwortet. Gewalt hat keiner von uns angewandt. Die Wut und der Frust stiegen dennoch ins unermessliche, da die Polizisten (Berliner) ihre Zerstörungswut und Aggressionen gegen friedliche Zivilisten ausließen und man nichts ausrichten konnte. Zeitweise wurden dann gegen uns noch Wasserwerfer aufgefahren, um uns weiter zu drohen und einzuschüchtern. Danach ist es uns gelungen kollektiv auszubrechen und einen Blockadepunkt am Südbahnhof zu errichten. Die Polizei dort (Stuttgarter) waren freundlicher. Sie wollte den Zustrom weiterer Demonstranten verhindern und unsere Blockade auflösen. Ein Polizist schlug einen von uns mit der Hand ins Gesicht, um ihn vom blockieren abzuhalten. Wir fingen aber an, eine Sitzblockade zu errichten, welche von der Polizei permanent mit Wasserwerfer und gezogene Schlagstöcke bedroht wurde. Sie wurde dann aber genehmigt.
An anderer Stelle, so berichteten die 3 Rettungssanitäter welche mit unserem Bus reisten, wurden sie als sie Verletzte behandelt haben, plötzlich von der Polizei angegriffen wurden. Die Verletzten, welche dort zum Teil hilflos rumlagen, wurden von der Polizei nicht verschont. Als Dank für den Angriff auf Sanitäter und Verletzte sprach die Polizei allen ein Platzverweis aus.
Alle Gewalt, die wir sehen konnten, ging von der Polizei aus, hinzu kamen zahlreiche Zerstörungen und Rechtsverletzungen seitens der Polizei. Ein Tag, der den Rechtsstaat Deutschland in einem ganz anderem Licht hat erscheinen lassen.
Doch ungeachtet des aggressiven und unverhältnismäßigen Auftretens der Polizei, herrschte bei den Blockierern durchgehend eine optimistische, fröhliche und ausgelassene Stimmung. Die erfolgreiche Verhinderung des Naziaufmarsches versüßte uns allen den Tag. So fuhren wir mit dem Gefühl des Sieges über die Faschisten, den Abschaum der Menschheit, wieder nach Flensburg.